Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Theaterbesucher!

„Wer im Kopf umräumt, dessen Schreibtisch muß feststehn.“ – dieses Wort von Rainer Kunze, dreiundvierzig Jahre alt und sturmerprobt, beschreibt, wozu Theater heute gut sein kann. In einer Zeit, in der so viele unserer Gewißheiten sich auflösen, wo wir das Gefühl haben, auf schwankem Boden zu gehen, brauchen wir Maßstäbe. Wir müssen uns darüber verständigen, woran wir uns gehalten haben und woran wir uns jetzt halten können. Bisher sind das alles selbstverständliche Dinge gewesen und wir haben darüber kaum nachdenken müssen. Das wird gerade anders und wir brauchen etwas, das diese Selbstverständlichkeiten festhält, aufschreibt, uns vor Augen stellt. Was ist das „Maß des Mensch-lichen“ für uns, wie sieht es aus, was können wir davon weitersagen?
Das Theater gibt uns nicht die Maßstäbe, oder doch nur ganz selten – wenn es rein und unverstellt die Botschaft der Humanität weitersagt. Aber, und das ist viel wichtiger, es läßt uns unsere Maßstäbe ausprobieren. Alle die Figuren auf der Bühne, Tewje und Dorabella, Petrucchio mit Katharina und Emmi, Tschick und der Obersteiger Martin, alle diese Menschen, die wir da sich abstrampeln und ihr Leben und ihre Liebe sortieren sehen, all’ diese machen das stellvertretend für uns. Und wir können an ihnen sehen, wie es ist, wenn man gemein ist und liebevoll und listig und verzweifelt. Und das hilft uns. Wir können sehen, wie stark unsere Grundsätze sein müssen, um zu überleben, wieviel Kraft wir investieren müssen, so zu leben, „daß der Mensch dem Menschen ein Helfer  sei“. Wir können mit diesen Figuren – und im übrigen auch mit dem, was uns Orchestermusik erzählen will – nachdenken, wie wir leben wollen.
Dafür ist das Theater gut und dafür brauchen wir es. Dringend.
 

Kommen Sie oft zu uns!
 
 
Ihr
Dr. Ingolf Huhn
Geschäftsführender Intendant